Viele digitale Initiativen starten erfolgreich in einem Pilotprojekt, scheitern jedoch daran, über eine gesamte Anlage hinweg ausgerollt zu werden. Die Gründe sind häufig dieselben. Prozesse sind nicht ausreichend vereinfacht, die Integration wird zu komplex und die finanzielle Verpflichtung ist schwer zu rechtfertigen. In Zeiten, in denen jede Investition ihren Wert nachweisen muss, benötigen Unternehmen einen klaren und realistischen Ansatz, der messbare operative Ergebnisse liefert.
Dieses Fünf-Phasen-Modell bietet einen umsetzbaren Weg, der frühe digitale Experimente in greifbare Effizienzgewinne und reibungslosere tägliche Abläufe überführt.
Phase 1: Auf flexiblen Grundlagen aufbauen statt auf teuren Tools
Ein häufiger Fehler ist, sich zu früh auf eine festgelegte Technologieentscheidung festzulegen. Das kann zu unnötigen Kosten führen und zu einem Setup, das nicht zu den spezifischen Anforderungen jedes Bereichs im Betrieb passt.
Eine flexible RTLS-Plattform, die mit unterschiedlichen Technologien und Datenquellen arbeiten kann, ermöglicht es, dass jeder Prozess das nutzt, was für die jeweilige Umgebung geeignet ist. Hochpräzise Lösungen können an bestimmten Stationen sinnvoll sein, während für Lager oder Yard-Bereiche einfachere und kosteneffizientere Lösungen ausreichen.
Statt beispielsweise hochpräzises Tracking über das gesamte Gelände auszurollen, sollte zunächst in eine flexible Basis investiert werden und hohe Präzision nur dort eingesetzt werden, wo sie Entscheidungen tatsächlich verändert, etwa an kritischen Arbeitsstationen oder in Engpassprozessen.
Der Vorteil ist eine Grundlage, die anpassungsfähig bleibt. Unternehmen vermeiden Überinvestitionen und halten die Kostenstruktur schlank, während sie sich zugleich auf eine spätere Skalierung vorbereiten.
Phase 2: Manuelle Arbeit reduzieren – der schnellste Weg zu messbaren Einsparungen
Bevor Automatisierung oder KI einen Mehrwert liefern können, muss der manuelle Aufwand in den Prozessen reduziert werden. Suchzeiten, manuelle Bestätigungen und wiederholte Dateneingaben verlangsamen Teams und sind eine der Hauptursachen für Fehler.
Eine praxisnahe Verbesserung ist die automatische Aktualisierung von Systemstatus, sobald Materialien oder Behälter bestimmte Bereiche erreichen. Kommt ein Behälter beispielsweise in der Wareneingangszone an, wird der korrekte Status im ERP oder MES gesetzt – ganz ohne Scannen oder manuelle Eingaben.
Unternehmen profitieren sofort. Fehler nehmen ab, die Qualität wird stabiler und Teams verbringen deutlich weniger Zeit mit Suchen oder dem Korrigieren von Fehlern.
Phase 3: Von Transparenz zu Kontrolle durch proaktive Handlungsempfehlungen
Daten sind nur dann nützlich, wenn sie zu klaren Entscheidungen führen. Verantwortliche benötigen einfache und zeitnahe Empfehlungen, die zeigen, welche Maßnahme in einem konkreten Kontext sinnvoll ist.
Wenn sich beispielsweise Material in der Nähe eines Engpasses zu stauen beginnt, kann das System die aktuelle Situation abgleichen, dabei die Auftragspriorität berücksichtigen und eine Empfehlung ausgeben, etwa eine Umleitung des Materials oder eine Anpassung der Reihenfolge.
Das Ergebnis sind weniger Verzögerungen, weniger kurzfristige Notfalleingriffe und ein stabilerer Durchsatz über mehrere Schichten hinweg. Entscheidungen bleiben in menschlicher Hand, werden aber durch klarere und schnellere Erkenntnisse unterstützt.
Phase 4: Integrationsrisiken reduzieren und den IT-Aufwand beherrschbar halten
Viele Skalierungsprobleme entstehen nicht durch die Technologie selbst, sondern durch den Integrationsaufwand. Die Anbindung von Systemen wie ERP, MES oder WMS erfordert häufig interne Entwicklungskapazitäten, die ohnehin knapp sind.
Der Einsatz vorkonfigurierter Schnittstellenmodule und gut dokumentierter Integrationspakete, etwa auf Basis von APIs oder MQTT, reduziert dieses Risiko deutlich. Projektlaufzeiten verkürzen sich, und individuelle Entwicklungen, die später nur schwer zu warten sind, lassen sich vermeiden.
Das Ergebnis ist ein sauberer Datenfluss über alle Systeme hinweg. Buchungen werden automatisch aktualisiert, und die Rückverfolgbarkeit bleibt ohne zusätzlichen Aufwand für die IT-Abteilung erhalten.
Phase 5: Intelligent skalieren ohne hohe Anfangsinvestitionen
Hohe anfängliche Investitionen bremsen viele Verbesserungsprogramme aus. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten bevorzugen Führungsteams Finanzierungsmodelle, die planbar und flexibel bleiben.
Ein servicebasiertes Modell ermöglicht es Unternehmen, von digitalen Lösungen zu profitieren, ohne Infrastruktur kaufen und abschreiben zu müssen. Die Kosten werden zu kalkulierbaren Betriebsausgaben statt zu einer langfristigen Kapitalbindung.
Dieser Ansatz vereinfacht interne Freigabeprozesse und erlaubt einen schnelleren Rollout über mehrere Standorte hinweg. Gleichzeitig schützt er vor technologischer Überalterung, da Updates und Service-Level bereits enthalten sind.

Fazit
Die meisten Digitalprojekte scheitern nicht an technologischen Grenzen. Sie scheitern, weil die Grundlage nicht flexibel genug ist, manuelle Arbeit nicht konsequent reduziert wird, die Integration zu komplex wird oder das Finanzierungsmodell intern Reibung erzeugt.
Mit diesem Fünf-Phasen-Playbook können Unternehmen reibungslosere Prozesse, kürzere Durchlaufzeiten, resilientere Abläufe und messbare Effizienzgewinne erreichen, ohne große Investitionen tätigen zu müssen.
Wenn Sie RTLS aktuell aktiv evaluieren oder die nächsten Schritte priorisieren möchten, können wir einen kurzen Reifegrad-Check anbieten, mit dem Sie Ihren aktuellen Stand einordnen und praxisnahe Verbesserungen identifizieren.